Wednesday Staffel 2: Zwischen Genie und Enttäuschung
Die zweite Staffel von Wednesday ist auf Netflix gelandet und die Meinungen gehen auseinander. Jenna Ortega kehrt in ihrer ikonischen Rolle als Wednesday Addams zurück und liefert erneut eine beeindruckende schauspielerische Leistung ab. Die Serie wechselt den Schauplatz von der Nevermore Academy in die düsteren Straßen Londons, wo Wednesday einem jahrhundertealten Geheimnis auf die Spur kommt. Tim Burton hat bei mehreren Episoden erneut Regie geführt und drückt der Serie seinen unverkennbaren visuellen Stempel auf.
Die Stärken der zweiten Staffel liegen eindeutig in der atmosphärischen Inszenierung und den Gastauftritten hochkarätiger Schauspieler. Christopher Walken als mysteriöser Mentor von Wednesday ist eine Offenbarung und ihre Chemie auf dem Bildschirm funktioniert hervorragend. Die Londoner Kulisse bietet eine willkommene Abwechslung und die düsteren Sets erinnern an klassische Gothic-Horrorfilme. Die Actionsequenzen sind aufwendiger als in der ersten Staffel und zeigen Wednesday als noch fähigere Ermittlerin.
Allerdings schwächelt die Handlung im Mittelteil deutlich. Die Episoden fünf bis sieben fühlen sich wie Füllmaterial an und der eigentliche Plot kommt nur schleppend voran. Die Nebencharaktere, die in der ersten Staffel so charmant waren, treten in den Hintergrund und erhalten kaum Entwicklung. Enid, Wednesdays beste Freundin, erscheint nur in wenigen Szenen und ihre Dynamik fehlt schmerzlich. Auch die romantischen Handlungsstränge wirken aufgesetzt und lenken von der eigentlichen Mystery-Geschichte ab.
Insgesamt ist Wednesday Staffel 2 eine durchwachsene Angelegenheit. Die erste und letzte Episode gehören zum Besten, was Netflix in diesem Jahr produziert hat, doch der Weg dorthin ist zu lang und stellenweise ermüdend. Jenna Ortega allein kann die strukturellen Schwächen der Handlung nicht kompensieren. Für Fans der ersten Staffel ist die Fortsetzung dennoch sehenswert, man sollte jedoch die Erwartungen etwas dämpfen. Eine dritte Staffel ist bereits bestätigt und die Macher versprechen eine straffere Erzählung.