Die besten TV-Serien 2014

0

Über die letzten zwei, drei Jahre hinweg habe ich hin und wieder die nachlassende Qualität der US-amerikanischen TV-Serien beklagt; vor allem die frei zu empfangenden Network-Sender enttäuschen inzwischen Herbst für Herbst (und Frühling für Frühling) mit ihren neuen Versuchen.

Wie stark dieser Qualitätsverlust inzwischen von Cable-TV und Streaming-Angeboten wie Netflix aufgefangen wird, ist mir erst beim Zusammenstellen dieser Liste bewusst geworden, denn während ich bei den besten Spiele dieses Jahres daran gescheitert bin, auch nur zehn Titel zu nennen, habe ich hier vergeblich versucht, meine Auswahl auch nur auf zwanzig Serien einzuschränken.

Deshalb nun also ein kleiner Überblick der für mich 25 besten TV-Serien des Jahres 2014…

The Fall Foto

© BBC

25. The Fall
Gillian Anderson jagt einen Serienkiller – oder jagt er sie? Kein Whodunit, sondern Whydunit, was The Fall angenehm von all den staffellangen Murder Mysteries (dass ich das mal schreiben würde) der letzten Jahre unterscheidet. Manchmal vielleicht einen Tick zu gemächlich, aber immer überlegt und mit einer starken Handschrift ihres Autors.

24. Death in Paradise
Man mag Death in Paradise als Schmunzelkrimi abtun, als karibisches Pendant zum deutschen Dorfkrimi mit seiner Fish-Out-of-Water-Prämisse, die den Abend wie Vorabend in den Öffentlich-Rechtlichen dominiert – und vielleicht hat man damit sogar Recht. Dennoch kann ich nicht leugnen, dass mich Procedurals wie CSI zwar schon lange langweilen, ich mich von einem klassischen, sich selbst nicht ernstnehmenden Krimi im Agatha-Christie-Stil und ohne forensisches Mumbo jumbo gut unterhalten fühle. So gut, dass nicht einmal der Verlust des Hauptdarstellers mein Vergnügen trüben kann. Vielleicht werde ich alt.

23. Community
Nach drei guten bis sehr guten Staffeln hatte ich mich in Season 4 innerlich von Community verabschiedet. Community war so stark von der Stimme ihres Erfinders geprägt und verkrafte dessen unfreiwilligen Abgang – überraschend! – kein Stück. Doch mit der Rückkehr von Dan Harmon fand die Serie tatsächlich wieder in die Spur zurück, als hätte es die einjährige „Kreativpause“ nie gegeben. Wie immer zwar mit ein bisschen „Hit & Miss“, aber deutlich mehr Hit als Miss.

22. Orange is the New Black
Nach dem Ende der ersten Staffel war ich skeptisch, ob Orange is the New Black seine Qualität würde halten können, zu stark erinnerten mich so manche Entwicklung sowie das In-die-Ecke-schreiben an Weeds, die vorherige Serie von Jenji Kohan. Und zu Beginn der zweiten Staffel, die auch ein wenig unter dem Lost-Syndrom litt, ihre Flashbacks nicht rechtzeitig abzulegen oder umzustrukturieren, fühlte ich mich bestätigt – doch nach ein paar Folgen bekam sie dann doch noch die Kurve. Ein Abwärtstrend der nächstes Jahr aber gestoppt werden sollte.

21. Masters of Sex
Ähnliches gilt auch für Masters of Sex, dessen zweite Staffel sich recht wirr gestaltete, Masters Sex-Studie in den Hintergrund rückte, mehrere (wohl historisch notwendige) Zeitsprünge wagte, einige ungeschickte Nebenplots einführte, um sie dann urplötzlich wieder fallenzulassen, und außerdem mit Allison Janney und Beau Bridges auf zwei der stärksten Schauspieler aus der ersten Staffel verzichten musste.

Aber: Der mit einer angenehm realistischen Ernsthaftigkeit erzählte Soap-Kern, die Beziehung zwischen Dr. Masters und seiner Assistentin sowie die damit verbundene Chemie zwischen ihren Darstellern, funktioniert noch gut genug, um Masters of Sex sehenswert zu machen. Wenn auch nicht mehr ganz so sehenswert wie im Vorjahr.

Parks and Recreation Foto

© NBC

20. Parks and Recreation
Etwa zwei Staffeln lang (in Season 2-3) war Parks and Recreation die vielleicht lustigste laufende Comedy-Serie. Lustig im Sinne von: Viele Lacher auslösend. Seit Staffel vier ist das seltsamerweise komplett Geschichte und doch zählt Parks & Rec bis heute zu den Serien, die ich am liebsten gucke, weil sie das hat, was so vielen aktuellen Comedy-Serie völlig abgeht: Herz und Botschaft.

19. Justified
Justified leidet unter dem gleichen mal mehr, mal weniger großen Problem, das viele Drama-Serien nach ein paar Staffeln mit sich herumtragen: Sie haben zu viele Figuren, die zu wenig miteinander zu tun haben. Dass Justified auch in seiner fünften Staffel dennoch einmal mehr ein starke Geschichte erzählte, ist der Serie daher umso höher anzurechnen – und die vielleicht beste Nachricht: Nach Staffel sechs wird Schluss sein, so dass die Autoren ab sofort keine Rücksicht auf Verlust mehr nehmen müssen.

18. Kingdom
Über Kingdom habe ich mich erst kürzlich an anderer Stelle bereits ausgelassen: Eine gute Familienserie in der Arena von MMA. Noch nicht ganz Friday Night Lights, weil es seine Charaktere zu sehr mag, um sie wirklich leiden zu sehen, aber das Nächstbeste, was man derzeit bekommt.

17. Brooklyn Nine-Nine
Andy Samberg als überdrehter Cop in einer Comedy-Serie – das war keine berauschende Prämisse. Doch seine Chemie mit dem durchweg starken Cast stimmt, viele alberne Gags zünden, lediglich die Einbindung und Parodie der Crime-Kulisse hat beispielsweise ein The Good Guys schon deutlich stärker hinbekommen.

16. Shark Tank
Reality-TV ist mir ein Graus, weshalb ich Shark Tank über mehrere Jahre hinweg ignoriert habe, bis ich mal per Zufall beim Zappen dabei hängengeblieben bin – und zu meinem eigenen Erstaunen nicht mehr aufhören konnte, es zu gucken. Selbständige, die reiche Investoren um eine Investition im Tausch gegen Firmenanteile anflehen, mag man als zynische Seite des Kapitalismus betrachten, doch zumindest im Amerikanischen funktioniert das Ganze als eine Art „The American Dream: The Show“ erstaunlich gut und ist durchaus lehrreich, sowohl in Hinblick auf die Marktwirtschaft als auch auf die Präsentation eigener Ideen.

Person of Interest Foto

© CBS

15. Person of Interest
Die beste Batman-Serie, die es jemals gab, sagen die einen, eine erschreckend realistische Darstellung unserer freiwilligen Aufgabe von Privatsphäre zu Gunsten von Komfort und Sicherheit, meinen die anderen. Was Person of Interest tatsächlich sein will, ist schwer zu sagen, fest steht hingegen, dass aus einem anfangs bestensfalls ganz netten Procedural mit dem stärkeren Fokus auf horizontale Handlungsstränge und vor allem Sarah Shahi als „Catwoman“ eine zumindest phasenweise großartige und – von dem obligatorischen Twist der Woche abgesehen – auch erstaunlich intelligente Action-Serie geworden ist. Für CBS-Verhältnisse zumindest, das ZDF unter den US-Sendern.

14. True Detective
Anfang des Jahres hätte ich True Detective noch unter den Top 3 eingeordnet und wäre mir sogar ziemlich sicher gewesen, dass sich das nicht mehr ändern würde. Aber trotz der großartigen Duos vor (Matthew McConaughey und Woody Harrelson) und hinter (Nic Pizzolatto und Cary Fukunaga) der Kamera ist mir True Detective nicht so positiv im Gedächtnis geblieben, wie einst erwartet. Ich wünschte, ich könnte das intelligent begründen, aber vielleicht liegt es einfach daran, dass Hannibal die hier recht lahme Serienkiller-Nummer doch besser drauf hat und ein bisschen Buddy-Chemie noch keine lange im Gedächtnis bleibende Serie ausmacht.

13. Homeland
Vor etwa einem Jahr, Anfang der dritten Staffel, hatte ich Homeland endgültig aufgegeben. Vob der einstigen Feinfühligkeit in Charakterzeichnung und Erzählung war nichts mehr geblieben, aber auch Authentizität und Spannung gingen der Serie völlig ab – einmal mehr vor allem deshalb, weil sie sich zahlreicher längst überflüssiger Figuren nicht entledigen wollte.

Doch nachdem Ende der dritten Staffel endlich der notwendige Schnitt erfolgte, hat Homeland in diesem Herbst überraschenderweise tatsächlich die Wende geschafft. Die alte Feinfühligkeit fehlt zwar noch immer, einzelne Plotpunkte erinnern zu stark an 24, aber: Es macht wieder Spaß, Carrie und Saul bei der Arbeit zuzusehen, die Dramaturgie stimmt und schafft es tatsächlich, auch einen Twists erwartenden Zuschauer zu überraschen.

12. Archer
Archer wagte in seiner fünften Staffel als „Archer Vice“ einen (vorübergehenden) Reboot, der Prämisse und innere Machtgefüge verschob, um der Serie neues Leben einzuhauchen und Nebenfiguren stärker in den Vordergrund zu rücken. Das funktionierte teilweise (Pam!) sehr gut, auch wenn die Agentenpersiflage manchmal einen Tick zu sehr vernachlässigt wurde.

11. Mad Men
Mad Men zählt seit 2007 (uff!) zu den besten Drama-Serien und müsste eigentlich auch in diesem Jahr viel weiter vorne stehen, wenn AMC, ihr Sender, sich nicht dazu entschieden hätte, die finale Staffel unnötigerweise in zwei Teile aufzusplitten. Die erste Hälfte von Staffel sieben, die sich vor allem um Dons überraschende Wiedergutmachung mit seiner Familie und der Welt an sich drehte, war stark wie eh und je, aber fühlte sich eben auch etwas unvollständig an.

Game of Thrones Foto

© HBO

10. Game of Thrones
Ich schätze, wenn eine Adaption einmal gelungen ist, kann man nicht mehr viel falsch machen, so lange das Ausgangsmaterial stimmt – was bei Game of Thrones noch der Fall ist. Erwartungsgemäß gut.

9. Scandal
Dass Scandal hin und wieder als Politdrama beschrieben und sogar beworben wird, zeugt entweder von einem enormen Missverständnis oder von einem wenig erhebenden Bild, das die US-Sender von ihren Zuschauern haben. Mit viel gutem Willen ist die Serie eine Politsoap, ohne jedoch den selbstgefälligen Pulp eines House of Cards und erst recht ohne dessen albernes Bedürfnis, etwas über reale Politik aussagen zu wollen.

Scandal ist GZSZ, das dank seiner Arena, dem Machtzentrum der Welt, eine absurde Überhöhung der Stakes mit sich bringt, die auf wahnwitzige Weise von naiv-dummen Macht- und Liebesspielchen kontrastiert werden. Und dass man sich nicht immer sicher sein kann, ob die Autoren das Ganze nicht vielleicht doch irgendwo ernst meinen, unterstützt die Sehenswürdigkeit dieses grandiosen Blödsinns noch.

8. Last Week Tonight with John Oliver
So unterhaltsam The Daily Show und The Colbert Report bis heute auch sind, so unfreiwillig destruktiv wirken sie manchmal: Sie zeigen Fehler in der Politik, vor allem aber in der Berichterstattung über selbige kurz auf, geben sie der Lächerlichkeit preis – und gehen dann routiniert zum nächsten Thema über. Been there, done that.

Last Week Tonight with John Oliver ist anders. Nicht nur, weil sein Host – trotz Daily-Show-Wurzeln – noch unverbraucht ist, sondern weil der Wochenrhythmus es erlaubt, sich eingehend mit Themen zu beschäftigen, sie deshalb ernster zu nehmen, anstatt atemlos und fahrig von Punkt zu Punkt zu springen. Und weil John Oliver es schafft, ihnen auch persönlich mehr Bedeutung zuzuschreiben, als es Stewart und Colbert zuletzt konnten.

7. Hannibal
Hannibal ist eine Serie, die in keine Schublade passt. Was Stimmung und Brutalität angeht, übertrifft sie fast alle Cable-Serien, doch sie läuft auf dem braven NBC, ihre Quoten sind katastrophal, doch weil NBC dank irgendwelcher absurden Deals fast nichts für sie zahlt – und vielleicht sogar gerade, weil keiner guckt – darf sich Bryan Fuller hier bis auf Weiteres auf Basis der Romanvorlagen so richtig austoben. Letzten Endes sind es aber die großartig-verstörende Fotografie und das starke Cast um Mads Mikkelsen, Hugh Dancy und Laurence Fishburne, die Hannibal zu einem so beeindruckenden wie einmaligen Drama erheben.

6. Review
Der Bewertungswahn ist, Internet sei dank, in nahezu alle Bereiche unserer Gesellschaft vorgedrungen: Reisen, Einkäufe, Dienstleistungen – nur das Leben an sich und die Aktivitäten des Alltags wurden noch nicht bewertet – was Comedy Centrals Review in diesem Jahr jedoch übernahm. Andy Daly spielt darin einen Rezensenten, der mit großem Einsatz und wunderbar wichtigtuerischer Selbstüberschätzung Erfahrungen wie „Drug Addiction“, „Being a Racist“ oder „Going to Prom“ testet. In einem weiteren Jahr ohne Curb your Enthusiasm „the next best thing“.

Veep Foto

© HBO

5. Veep
Die einzige noch einen Tick bessere Comedy-Serie war für mich Veep, in der Julia Louis-Dreyfus als Vizepräsidentin Selina Meyer mit den zu erwartenden Fauxpas an ihrer Präsidentschaftskandidatur arbeitete – um mehrmals scheinbar zu scheitern und im letzten Moment ihr Ziel auf unerwartetem Wege zu erreichen. Höhepunkt der Serie bleibt aber der Austausch von Weisheiten und Nettigkeiten zwischen Selina und ihrem Staff: „If men got pregnant, you could get an abortion at an ATM“, um nur eine zu nennen.

The Honourable Woman Foto

© BBC

4. The Honourable Woman
In seinen ersten beiden Folgen suchte The Honourable Woman noch nach dem richtigen Tonfall, irgendwo zwischen Homeland und Tinker, Tailor, Soldier, Spy, doch im weiteren Verlauf fand die britische Miniserie ihn und erzählte eine so intelligente und spannende Geschichte mit einer starken weiblichen Hauptfigur, die in ihren acht Episoden nicht nur einen logischen, endgültigen Abschluss fand, sondern ihre Zuschauer auch nicht für dumm verkaufte, sondern mitdenken ließ – und anfangs unscheinbaren Details später große Bedeutung zukommen ließ. Stark!

The Americans Foto

© FX

3. The Americans
Amerikaner gegen Russen? Alberne Perücken? Agenten, die in direkter Nachbarschaft zum Feind leben, ohne jemals aufzufallen? The Americans hat vieles, was als Klischee missverstanden werden kann, vieles, das schon in der Entwicklung hätte schiefgehen können – tatsächlich aber gelingt der Serie der Spagat zwischen glaubwürdigem Familiendrama und häufig eher deprimierendem als aufregenden Agentenleben so gut wie zuletzt vielleicht den ersten beiden Staffeln von Alias. Vor über zehn Jahren.

The Good Wife Foto

© CBS

2. The Good Wife
Es gibt kaum eine Serie, die über eine so dichte Welt mit so vielen lebendigen Figuren verfügt, wie The Good Wife – was für ein Legal Drama auf den ersten Blick doch erstaunlich ist. Doch die Serie ist längst weitaus mehr als das und sich dessen bewusst, was dazu führt, dass sie diese wunderbare Welt zum Ende hin nun zusehends einreißen kann, ohne die Konsequenzen fürchten zu müssen. Und nach fünf Jahren des liebevollen Aufbaus ist das gleichermaßen schwer zu verkraften wie großartig zu schauen.

Fargo: TV Serie Foto

© FX / MGM Television

1. Fargo
Überboten wurde das nur von Fargo, einer Serie, von der ich im Voraus so gar nichts erwartet hatte und von derer lahmer Pilot-Episode, die zu sehr den Tonfall der Coen-Brüder nachzuahmen versuchte, ich gar enttäuscht war. Doch was dann über den Rest der Staffel hinweg folgte, war nicht nur eigenständig, sondern auch von so großartigen Figuren, amüsantem Zynismus, überraschenden Verbindungen und vor allem erfüllenden Charakterbögen geprägt, dass die Serie am Ende nicht mehr im Schatten ihres Vorbilds stand, sondern es sogar übertraf.

„Honourable Mentions“
Ein paar Serien hätten es in anderen Jahren vermutlich noch in diese Liste geschafft. Dazu zählt The Missing, eine gute, britische Mini-Serie um die jahrelange Suche eines Vater nach seinem verschwundenen Sohn, das Beziehungsdrama The Affair, aber auch Gotham, das von all den Comic-Serien aufgrund seiner Welt und seines Casts trotz gewisser Schwächen die guckbarste ist. Life Story, die neueste BBC-Doku im Stile von Planet Earth, Life und Africa, begeistert mit tollen Bildern – und auch die letzten Staffeln von The Late, Late Show with Craig Ferguson sowie The Colbert Report dürfen nicht unerwähnt bleiben. Ein paar potentiell starken Serien konnte ich zudem noch nicht ausreichend Zeit widmen, dazu zählen Transparent und Broad City. Vielleicht nächstes Jahr!

Share.

About Author

Freier Journalist. Autor. Spielefan.

Comments are closed.