So gut ist… The Flash

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Barry Allen ist The Flash, der schnellste Mensch der Welt, wie er selbst im Vorspann der neuen, gleichnamigen TV-Serie von sich behauptet. Er kann innerhalb eines Wimpernschlags ein Hochhaus hinauf- und wieder hinunterrennen und zwischendurch sogar noch kurz oben innehalten, um ein Foto mit seinem Handy zu schießen. Er kann gleichzeitig Schach, Tischtennis und Operation spielen, er kann auf einen fahrenden Zug aufspringen und noch so vieles mehr. Nur eines kann er offenbar nicht: Seine Schnelligkeit dann einsetzen, wenn es zählt, wenn er einem Bösewicht gegenübersteht.

Wenn The Flash hier seine vermeintlich etablierten Spielregeln konsequent anwenden würde, sollte es kaum ein Gegner mit Barry aufnehmen können, doch in drei der bisherigen vier Folgen biegt sich die neue CW-Serie die Superkräfte ihres Helden so zurecht, wie es ihr gerade passt. Anstatt seinen Widersachern stets zuvorzukommen, lässt Barry sie gewähren, anstatt bei einem Aufeinandertreffen rechtzeitig zu handeln, plaudert er mit ihnen und lässt den ein oder anderen Gegner sogar entkommen.

Ich kenne nur wenige Serien, die ihre eigenen Regeln so früh schon so häufig gebrochen haben wie The Flash.

Die ein oder andere Inkonsequenz lässt sich mit dem Verweis auf Barrys Charakter wegdiskutieren, er ist durch und durch gutherzig, was hin und wieder ein Zögern erklären mag, aber nicht immer. Stattdessen sorgt es vielmehr dafür, das The Flash bisher nicht nur eine inkonsequente, sondern auch eine nahezu konfliktlose Serie ist, die Erinnerungen an Star-Trek-TNG-Tage weckt.

Barrys größtes Problem sind nicht wirklich die wöchentlich wechselnden Bösewichte, es ist seine Kindergartenfreundin, die blöderweise mit dem Kollegen ihres Vater liiert ist – welche Entwicklung der vollziehen wird, lässt sich auch ohne Comic-Kenntnisse erahnen.

Nebenbei sitzt Barrys eigener Vater zu Unrecht für den Mord an Barrys Mutter im Gefängnis und Barry versucht so ein bisschen, die Wahrheit ans Licht zu bringen (anstatt ihn einfach mit Hilfe seiner Superkräfte zu befreien), aber nicht zuviel, denn das könnte den heiteren Tonfall von The Flash zu stark drücken. Und natürlich muss diese Storyline zusammen mit den Hintergründen von Barrys Verwandlung vom langsamen, zerstreuten Forensiker zum blitzschnellen Superhelden auch über die gesamte Staffel hinweg ausgebreitet werden. Mindestens.

Zu einem gewissen Grade ist diese Sehnsucht nach Harmonie aber durchaus nachzuvollziehen: Von seinem Episodentemplate im Allgemeinen bis hin zu einzelnen Storylines im Speziellen kopiert The Flash bisher von vorne bis hinten seine Schwesterserie Arrow und die einzige Möglichkeit, sich von dem grünen, anfangs kaltblütig modernden Rächer zu unterscheiden, scheint für sein rotes Pendant der wärmere und freundlichere Tonfall zu sein.

Vielleicht ist das in einer ohnehin eher dünner Bretter bohrenden Superheldenserie gar nicht so fehl am Platz, denn das Drama in Arrow wirkt nicht umsonst häufig kläglich bemüht, doch in dem Fall müssten zumindest die wöchentlichen Gegenspieler und die gesamte Welt um die Enklave der Harmonie herum bedrohlicher sein, als sie es in den ersten Folgen sind.

Was The Flash vorläufig am Leben erhält, ist die Erinnerung daran, dass Arrow ähnlich schwach begann und Agents of S.H.I.E.L.D. sogar noch wesentlich schlechter. Dass sich die Autoren vielleicht etwas zu sehr an die „Wiederhol den Pilot zehn Mal“-Regel halten. Und dass Grant Gustin die Rolle des Barry Allen gut ausfüllt, ein erkennbar besserer Schauspieler ist als Stephen Amell, zumal Tom Cavanagh (Ed, Scrubs) und Jesse L. Martin (Law & Order) dem CW-typischen Young-Beautiful-People-Cast ein gewisses Charisma verleihen.

Aber die Serie muss sich klarer von Arrow distanzieren und ihre Kinderkrankheiten ablegen, um das Gefühl loszuwerden, all das schon einmal spannender in Grün gesehen zu haben. Und sie muss es schnell tun – was für The Flash ja kein Problem darstellen sollte.

Meine irrelevante Wertung

40%
40%
Geht so

The Flash hat das Potential, zumindest die zwischenzeitliche Qualität eines Arrow zu erreichen, sollte das Nachahmen jedoch nicht so weit treiben, sich genauso viel Zeit zu nehmen wie ihr grünes Vorbild. Vor allem Spielregeln und Konflikte müssen bald klar und konsequent etabliert werden, um der bis dato so zahmen, harmonischen Welt zumindest eine Spur Spannung einzuhauchen.

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Freier Journalist. Autor. Spielefan.

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