Wie gut ist… How to Get Away with Murder?

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How to Get Away with Murder mag von Shonda Rhimes nur produziert, nicht erfunden, worden sein, und doch sind die Gemeinsamkeiten mit Scandal – von Rhimes produziert und geschrieben – erstaunlich: Eine Anwältin (hier nebenbei auch Uni-Professorin) mit starkem Willen, viel Charisma und einem komplizierten Liebesleben verteidigt Mandanten in aufsehenerregenden, aber letzten Endes recht belanglosen Fällen, während sich das wahre Drama parallel dazu im horizontalen Handlungsstrang abspielt.

In Scandal ist es die Regierungsverschwörung, hier ein entfernt an Veronica Mars erinnernder Mordfall an einem College, in den die Studenten von Annalise Keating, der Protagonistin, involviert sind. Und wie bei Scandal ist nur eine dieser Storylines potentiell interessant: die vermutlich über die komplette erste Staffel ausgebreitete B-Story.

Scandal hat dieses Problem spätestens im Laufe seiner zweiten Staffel erkannt und den Fall der Woche in den Hintergrund gedrängt, teilweise gänzlich auf ihn verzichtet oder zumindest eine starke Verbindung zur Verschwörung hergestellt, und How to Get Away with Murder würde, so viel lässt sich nach dem Pilot bereits sagen, zweifellos das Gleiche gut tun – interessant ist in seinem Zusammenhang lediglich, zu welchen Mitteln Keatings Studenten greifen, um in der Gunst ihrer Professorin und Chefin zu steigen. Kurz gesagt: zu jedem Mittel.

Getragen wird How to Get Away with Murder von der facettenreichen Viola Davis (The Help), die auf dem Papier zwar die Hauptrolle bekleidet, zumindest im Pilot aber fast ein wenig von den vier Studenten in den Hintergrund gedrängt wird; wir sehen die Geschichte weitgehend aus den Augen von Wes Gibbins (Alfie Enoch, vielleicht bekannt aus Harry Potter), einem per Zufall in Keatings Kurs gerutschten, armen Studenten, der die glatte, reiche Elite – natürlich – häufig mit einem erfrischend anderen Denkansatz überrascht. Und der, nebenbei, die verheiratete Keating beim Sex mit einem ebenfalls verheirateten Polizisten erwischt.

Dass Keating eben jenen Polizisten im Zeugenstand mit dem Hinweis auf seine an Krebs erkrankte Frau zu einer Lüge erpresst, um für ihre schuldige Mandantin einen Freispruch zu erwirken, ist angesichts dessen nur noch eine Randnotiz wert.

Man darf nicht den Fehler machen, How to Get Away with Murder auch nur im Ansatz ernst zu nehmen oder gar für ein authentisches Gerichtsdrama zu halten, aber dass es sich um eine Soap handelt, dürfte angesichts seines Titels ohnehin klar sein.

Um die „Qualität“ – ich setze das vorsichtshalber mal in Anführungsstriche – eines Scandal zu erreichen, muss die Serie allerdings möglichst schnell eine ähnliche Metamorphose durchleben und vermutlich sogar noch deutlich darüber hinaus gehen, denn während dort Wahlbetrug und Schattenregierungen vor dem Hintergrund einer Affäre zwischen Protagonistin und US-Präsident für einen urkomischen Kontrast und eine absurde Fallhöhe sorgen, wirkt ein schon zu oft gesehener Mord recht zahm, auch wenn das Opfer sich am Ende der ersten Folge als der Ehemann der Heldin herausstellt.

Und dass Olivia Popes Kollegen in Scandal unnütz sind und im Grunde noch einer anderen Show entstammen, ist dort inzwischen zum Running Gag geworden, hier wirkt insbesondere Liza Weil (Gilmore Girls) auf den ersten Blick allerdings arg verschenkt.

Meine irrelevante Wertung

60%
60%
Hat Potential

Die Parallelen mit Scandal sind so groß, dass ich How to Get Away with Murder sein Potential nicht absprechen kann. Allerdings muss auch diese Serie allein von ihrem horizontalen Handlungsstrang getragen werden - und ob ein simpler, vorerst recht belanglos wirkender Mordfall dafür ausreicht, bleibt abzuwarten.

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Freier Journalist. Autor. Spielefan.

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