Wie gut ist… Gotham?

0

Der Pilot von Gotham ist ein einziges, riesengroßes Versprechen: „Wir zeigen Euch die Anfänge von Batman und Commissioner Gordon, erklären, wie Gotham City zu der Stadt geworden ist, wie wir sie heute kennen, und – ach, übrigens – hier sind Penguin, Riddler, Catwoman, Poison Ivy und ein Hauch vom Joker!“

Dieses Versprechen ist notwendig, weil Agents of S.H.I.E.L.D. im vergangenen Jahr zumindest kreativ gewaltig daran gescheitert ist, ein NCIS im Marvel-Universum, eine Serie in einer Superheldenwelt (nahezu) ohne echte Superhelden zu erschaffen.

Dieses Versprechen ist allerdings auch notwendig, weil die erste Folge von Gotham zu beschäftigt mit mäßig geschickt verpackter Exposition („She said you were a war hero.“, „You’ve killed people before, in the war!“) und andauerndem Namedropping ist, um bereits eine spannende Geschichte erzählen zu können.

Sie beginnt mit dem Tod von Bruce Waynes Eltern, stellt uns den noch jungen James „Commissioner“ Gordon (Ben McKenzie) vor, der in dem Fall ermittelt, vor allem aber mit dem korrupten Gotham City Police Department und seinem Partner Harvey Bullock (Donal Logue) kämpft.

Ein dutzend Figuren und Andeutungen später hat Bullock einen falschen Verdächtigen umgebracht, drängt Gordon dazu, den Penguin zu erschießen, und Bruce Wayne hat den ersten Schritt auf dem Weg zu Batman unternommen.

Die nächsten Schritte? Der wahre Täter? Die Zukunft des Penguin? All das und eine Handvoll weitere Bösewichter: Coming soon! Ein Pilot sollte Lust auf mehr machen, dabei aber nicht vergessen, auch etwas Erinnerungswürdiges zu erzählen, sich auf irgendetwas zu konzentrieren, und dieser Spagat misslingt Gotham leider ein wenig.

Doch während ich bei anderen Serien vermutlich nach einer halben Stunde die Augen verdreht und abgeschaltet hätte, nehme ich Gotham sein Versprechen zu einem gewissen Grade ab. Vielleicht, weil ich ungefähr weiß, wo es hingegen wird, weil der grobe Fahrplan für etliche Figuren klar ist und weil die Limitierung auf 16 Folgen dem Handlungsbogen der ersten Staffel gut tun sollte, vielleicht aber auch, weil mir das Batman-Universum mit seinem Noir-Flair und dem weitgehenden Verzicht auf Superkräfte in seinem Genre am meisten liegt.

Gotham lebt soweit von seinem schönen Look (ohne zu teuer zu wirken und Gefahr zu laufen, spätere Episoden „billig“ aussehen zu lassen), von der sofort stimmigen Chemie zwischen Gordon und Bullock, von seinem starken Cast – neben McKenzie und Logue gefällt im Pilot vor allem Jada Pinkett Smith als Villain – und eben von der Hoffnung, von dem Versprechen.

Kann eine Batman-Show ohne Batman funktionieren? Was können unsere Helden überhaupt erreichen, wenn doch klar ist, dass Gotham City sich über den Verlauf der Serie hinweg im Grunde nur verschlechtern kann, um am Ende zu dem zu werden, was Bruce Wayne in zehn, zwanzig Jahren bekämpft? Und kann Gotham sich zumindest in Teilen von seiner Vorlage lösen, überraschen? Das sind Frage, die vorerst offen bleiben.

Meine irrelevante Wertung

60%
60%
Ganz gut

Gothams Pilot verspricht viel und macht erfolgreich Lust auf mehr, ohne mich gänzlich davon überzeugen zu können, dass eine Batman-Serie ohne Batman auf Dauer Woche für Woche funktioniert.

Share.

About Author

Freier Journalist. Autor. Spielefan.

Comments are closed.