Wie gut ist… Madam Secretary?

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Es ist erstaunlich, wie wenig eine so riesige Branche wie die Unterhaltungsindustrie offenbar über ihre Kunden weiß. Hunderte Millionen Dollar werden Jahr für Jahr in die Marktforschung gesteckt und doch lautet der Weisheit letzter Schluss häufig: „Machen wir halt das, womit andere gerade Kohle machen!“ Im Kino sind das dieser Tage die unzähligen Hunger-Games-Klone, im Fernsehen hingegen ist es nach den Erfolgen von Scandal und House of Cards alles, was irgendwie mit Politik zu tun hat.

Einer der TV-Nachahmer ist Madam Secretary, das sich dem vergleichsweise alten Publikum seines Senders gemäß allerdings mehr am klassischen Procedural denn an der mitunter epileptisch anmutenden Soap-Achterbahnfahrt eines Scandal orientiert, dabei aber auch den Idealismus eines The West Wing oder den Zynismus eines House of Cards vermissen lässt. „Zahm“ wäre wohl das richtige Wort für den Pilot, auch wenn er bemüht ist, seine Protagonistin sich selbst als kühn und mutig darstellen zu lassen.

Die dünne Prämisse der Serie wird schon innerhalb der ersten fünf Minuten abgehandelt: Elizabeth Faulkner McCord (Téa Leoni), Ex-CIA, führt mit Mann (Tim Daly) und Kindern ein zurückgezogenes Leben, als plötzlich der Secretary of State bei einem Flugzeugabsturz um’s Leben kommt. Kurz darauf steht POTUS (Keith Carradine), der McCord einst rekrutiert hat, vor der Tür und drängt sie dazu, doch bitte das nun offene Amt zu übernehmen.

Warum ausgerechnet sie, das lässt die Show vorerst im Dunklen, sofern sie die Frage mit dem furchtbaren „You don’t just think outside the box; you don’t even know there is a box.“ nicht schon als beantwortet betrachtet.

Nach dem Cold Open gestaltet sich Madam Secretary in etwa so, wie sich voraussichtlich die Mehrheit der Folgen gestaltet wird; McCord muss sich in ihrer neuen Rolle zurechtfinden, sich gegen Männer oder Stylisten behaupten und nebenbei ein bisschen Politik spielen.

Fall der Woche sind zwei jugendliche US-Amerikaner, denen in Syrien die Exekution droht. Die Serie lässt – dem Sender getreu – dabei kaum eine Chance aus, dem Zuschauer jedes Detail und jede Motivation ins Kleinste vorzukauen, was sogar für das Offensichtlichste gilt: „I’m doing this to save two children, who are not much older than my own!

Leider ist das mit dem „doing“ so eine Sache, denn im Grund tut unsere vermeintliche Heldin im Pilot nahezu nichts. Um die Jugendlichen zu befreien, reicht ein kurzes Treffen mit einem ehemaligen CIA-Kontakt aus, und so erfolgt das spärliche Character und World Building vorrangig über viele, viele Behauptungen statt Handlungen.

Was man Madam Secretary zugute halten kann? Zum einen, dass es nicht mehr die uralte „Kann eine Frau einen Job haben und Mutter sein?“-Karte spielt, auch wenn das Familienleben (TV-gemäß mit höchsteloquenten Kindern) dadurch quasi irrelevant ist, zum anderen, dass das Cast mit Ausnahme von Leoni, die sich über ihre Figur nicht so recht im Klaren zu sein scheint – wer kann es ihr verübeln? -, vor bekannten, sympathischen Gesichtern strotzt: Tim Daly als McCords Ehemann, Željko Ivanek als Chief of Staff, Keith Carradine als POTUS; man wünschte ihnen nur etwas zu tun, stärkere Charaktere und ein besseres Drehbuch.

Im US-Fernsehen ist neben Soap (Scandal) und Pulp (House of Cards) durchaus Platz für eine authentische oder zumindest idealistische Politikserie, aber Madam Secretary geht zumindest im Pilot jeglicher Mut ab, die damit verbundenen Themen auch nur anzusprechen – nicht einmal die Partei des Präsident erfahren wir, und McCord selbst wird sogar als „apolitisch“ umschrieben.

Da hilft es dann auch nicht mehr, dass sie am Ende der Episode dem König von Swasiland nahelegen darf, er möge doch bitte mal ein bisschen was gegen AIDS tun. Zumal auch dieser Hauch von einer auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gebrachten politischen Aussage durch den abschließenden Anflug einer Verschwörungsplotline wieder zunichte gemacht wird.

Meine irrelevante Wertung

20%
20%
Gar nicht gut

Im Prinzip ist damit alles gesagt: Madam Secretary will von großer Politik erzählen, ohne selbst auch nur in den Verdacht zu geraten, politisch sein zu können. Das kann und wird in dieser Form nicht funktionieren können - schade um das Cast.

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Freier Journalist. Autor. Spielefan.

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