Spacebase DF-9 wird zum Early-Access-Opfer

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Eigentlich freue ich mich, wenn ich Recht behalte, vor allem, weil es so selten vorkommt. Heute habe ich Recht behalten, aber ich freue mich nicht, zu sehr bin ich von Double Fine und Spacebase DF-9 enttäuscht.

Rückblick: Vor elf Monaten veröffentlichte Double Fine mit Spacebase DF-9 ein neues Spiel auf Early Access. Im Rahmen von Amnesia Fortnight war es einst als „Dwarf Fortress im All“ umschrieben wurden, tatsächlich handelte es sich aber mehr um Die Sims im Weltraum.

Damals, am 20. Oktober 2013, schrieb ich:

Vertrauen ist in den letzten zwei Jahren eines der wichtigsten Worte in der Spielebranche geworden. Vertrauen, dass ein Entwickler die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen kann. Ein Risiko, das knapp drei Jahrzehnte lang nahezu allein von Publishern getragen wurde, wurde mit Kickstarter und Early Access plötzlich auf die Spieler abgewälzt – oder besser: von vielen Spielern dankend angenommen. Zum Teil in dem Glauben, dass diese Spiele anders nicht finanziert werden könnten, noch viel häufiger jedoch in dem Drang, als erste anhand von Beta oder Alpha über einen Titel sprechen zu können.

Double Fine hat sich in diesem neuen Marktsegment erfolgreich ganz vorne platziert, mit dem “Double Fine Adventure”, heute als Broken Age bekannt, dann Massive Chalice und nun Spacebase DF-9, auch wenn schwer festzustellen ist, worin das gewaltige Vertrauen in das Studio begründet liegt. Vermutlich ist es in erster Linie der gute Ruf des sympathischen Tim Schafer, denn Double Fines Spiele an sich zeichnet bis heute nur aus, dass sie fast alle gut gemeint, aber nie perfekt gemacht waren.

Von Psychonauts über Brutal Legend bis hin zu Stacking und The Cave waren spannende Ansätze immer erkennbar, denen in ihrer Ausführung jedoch immer der letzte Tick fehlte. Es ist noch zu früh, das nun via Early Access erhältliche Spacebase DF-9 in die gleiche Schublade zu stecken, doch mein Restvertrauen in Double Fine wird auch mit diesem jüngsten Werk vorerst nicht anwachsen.

Elf Monate später, darf ich mich bestätigt fühlen, denn wie Double Fine heute stolz verkündet hat, wird in Kürze die Version 1.0 von Spacebase DF-9 erscheinen.

Das klingt toll, tatsächlich bedeutet es jedoch nicht mehr und nicht weniger als die Einstellung der Entwicklung nach sechs Alpha-Versionen, nach einem Jahr, in dem Content-Updates auf sich warten ließen und in dem unzählige Features gestrichen, einstige Visionen eingestampft wurden. Den damals ebenfalls angesprochenen Development Plan, der Inhalte über Inhalte versprach, hat Double Fine wohlweislich bereits vor ein paar Monaten vom Netz genommen.

Rückblickend bleibt eigentlich nur festzuhalten, dass Spacebase DF-9 nie eine echte Chance hatte: Die erste Version, die auf Steam veröffentlicht wurde, war nicht mehr als ein Prototyp, den man beim besten Willen nicht weiterempfehlen konnte, doch ohne Weiterempfehlungen blieben die Kunden aus, von denen Double Fine offenbar die weitere Entwicklung komplett abhängig machte.

Die mutmaßliche Hoffnung, ein zweites Prison Architect zu kreieren, schlug fehl, Entwickler wurden abgezogen und so arbeiteten in den letzten Monaten nur noch drei, vier Angestellte an dem Projekt – viel zu wenig für den geplanten Umfang.

Mit dem viel zu frühen Ende der Entwicklung kommt Double Fine die erstaunlich Ehre zuteil, eines der ersten renommierten Studios auf Kickstarter sowie im Early Access gewesen zu sein und beide Projekte grandios in den Sand gesetzt zu haben. Herzlichen Glückwunsch!

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Freier Journalist. Autor. Spielefan.

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