New Nintendo 3DS: Ein Handheld ist kein Smartphone (Ach!)

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Die Ankündigung des New Nintendo 3DS in der letzten Woche hat mich nicht überrascht. Nicht, weil ich damit gerechnet hätte, dass Nintendo ein technisch leicht verbessertes Modell seines Handhelds auf den Markt bringt, sondern weil die Logik dahinter so perfekt in die gegenwärtige Strategie passt: Mit der Wii U wollte man ein Stück weit Tablets wie das iPad kopieren, mit dem New Nintendo 3DS hingegen orientiert man sich an Smartphones, ohne die Unterschiede zwischen den beiden Märkten wirklich zu verstehen und ohne aus vergleichbaren Versuchen der Vergangenheit, eine alternde Plattform zu verjüngen, offenbar gelernt zu haben.

Dabei mag ich meinen 3DS trotz anfänglicher Skepsis durchaus, trotz des unnötigen 3D-Effekts und trotz der miserablen Bildschirme. Letzten Endes ist für mich die einzige wirklich relevante Schwäche das im Vergleich zum original Nintendo DS so geringe Spieleangebot, da wie so oft vor allem Third-Partys die Entwicklung scheuen und Nintendo selbst derzeit zu sehr darauf konzentriert ist, seine Konsole zu retten.

Wie viele Spiele können unter diesen Voraussetzungen für den New 3DS und seine voraussichtlich mickirige Hardware-Basis wohl exklusiv erscheinen? Und mögen irgendwelche davon tatsächliche Neuentwicklungen sein oder handelt es sich nahezu ausschließlich um Ports von anderen Systemen? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist Letzteres der Fall; Nintendos letztes System-Update, der DSi, bekam lediglich ein paar Download-Games spendiert, an die sich heute niemand mehr erinnert.

Die Möglichkeit, Spiele sowohl für 3DS als auch für New 3DS erscheinen und auf letzterem besser aussehen zu lassen, besteht natürlich, aber dass sich die Hersteller damit einen Gefallen tun würden, darf angesichts der aktuellen Abneigung gegen Cross-Gen-Entwicklungen auf dem Konsolenmarkt bezweifelt werden: Nur die wenigsten Spieler wollen die schwächere Fassung eines Spiels kaufen, doch kann das allein Anreiz genug sein, als 3DS-Besitzer einen New 3DS zu kaufen?

Dass die regelmäßigen Hardware-Updates auf dem Smartphone-Markt derzeit funktionieren, ist sowohl dem Vertriebsmodell als auch dem Gefühl der Wertigkeit der Geräte zu verdanken: Selbst recht günstige Smartphones der Kategorie eines Moto G fühlen sich von den Bildschirmen bis hin zu Betriebssystem und Online-Store zeitgemäß, wertvoll und nützlich an.

Sie übernehmen die Funktionen von einem dutzend verschiedener Geräte, sie sind ein ständiger Begleiter, zu einem gewissen Grade nicht selten Statussymbol und nach zwei Jahren im täglichen Betrieb oft schlichtweg so abgenutzt, dass ein neues Modell gekauft werden muss – das ohnehin durch den Abschluss eines neuen Vertrags subventioniert wird.

Für einen Spiele-Handheld, insbesondere von Nintendo, gilt all das nicht.

Vielleicht ist dem Unternehmen das bewusst. Vielleicht soll das neue Modell allein die Zeit überbrücken, bis man in der Lage ist, Konsole und Handheld gänzlich unter einen Hut zu bringen oder zumindest die Entwicklungsumgebung der beiden Plattformen zu vereinen.

Ob es aber nicht sinnvoller wäre, diese Zeit damit zu überbrücken, das Spieleangebot für den originalen 3DS um Titel wie Metroid, Advance Wars oder – Gott bewahre! – ein paar neue Ideen zu bereichern, möchte ich zumindest mal in den Raum stellen.

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Freier Journalist. Autor. Spielefan.

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