gamescom 2014: Die interessantere Messe

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Spieler vergleichen gerne: Welche Konsole hat das stärkere Line-Up, wie viele Frames pro Sekunde bekommst Du bei bei Star Citizen und wie hat sich eigentlich die Größe von Laras Oberweite über die Jahre und Spiele hinweg entwickelt?

Häufig fällt dabei der Begriff „besser“, auch wenn es keinerlei tatsächliche Messwerte gibt und die Einschätzung rein subjektiv geprägt ist – außer bei den Frames pro Sekunde, weil hier mehr natürlich immer besser ist!

Und weil gerade häufig der Vergleich zwischen E3 und gamescom gezogen wird, will ich nicht behaupten, dass letztere in diesem Jahr „besser“ gewesen wäre, aber für mich doch zumindest wesentlich interessant. Denn während es auf der E3 in erster Linie darum geht, großen Hype für eine kleine Anzahl an Titeln zu generieren, ist man auf der gamescom weniger auf Krach und Krawall gebürstet, richtet sich (naturgemäß) mehr an Spieler als an Presse, vor allem aber deckt die Messe einen wesentlich breiteren Teil des Marktes ab.

Ein Blick auf die Neuankündigungen der gamescom 2014 macht das offensichtlich: Life is Strange ist ein Exploration Game im Stile von Gone Home, Wild ein buntes Online-Survival-Adventure, Shadow Realms ein Online-Actionrollenspiel, Screamride ein Aufbauspiel, Hollowpoint ein düsteres Co-Op-Action-Game, Alienation ein Twin-Stick-Shooter, Silent Hills ein Survival-Horror-Spiel. Dazu gab’s The Tomorrow Children, Hellblade, Heroes of Might & Magic VII, Geometry Wars 3, ein neues King’s Quest, ein weiteres The Walking Dead – und ich habe sicher noch irgendetwas vergessen.

Außer vielleicht Silent Hills würde keines dieser Spiele im Rahmen der E3 wirkliche Beachtung finden, wo nur noch die absoluten Extreme zur Geltung kommen: AAA Gaming auf der einen Seite, die neu entdeckten Indies auf der anderen, aber natürlich nur für PlayStation 4 und Xbox One, weil zwar fast alles auf PC präsentiert wird, der PC aber in der Schlacht zweier Großkonzerne keine Rolle spielen darf. (Auch wenn einer dieser beiden Konzerne den PC mit seinem Betriebssystem im Grunde „besitzt“, aber das ist eine andere Geschichte.)

Auf der gamescom hingegen sind die PC-Spieler – Standort Deutschland sei Dank – vermutlich nicht einmal in der Minderheit, der alberne Konsolenkrieg spielt nur am Rande eine Rolle, eine Koexistenz nahezu aller Spiele ist möglich und selbst die auch von mir schon totgesagte AA-Schiene kann hier die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient.

Das eigentlich Bemerkenswerte ist jedoch, dass die Hersteller es offenbar als sinnvoll erachten, eine Fachmesse mit möglichst viel Hype und Gebrüll zu gestalten, während eine Publikumsmesse eher leise und fokussiert über die Bühne geht. Was das über Bild und Verhältnis der Publisher von und zu Presse aussagt, kann jeder für sich selbst beantworten.

Gut möglich, dass die gamescom es in diesem Jahr besonders leicht hatte, die E3 in den Schatten zu stellen: Der Kampf um die Vorherrschaft auf dem Konsolenmarkt geht in die entscheidende Phase; Sony will seine Führung um jeden Preis verteidigen, Microsoft seine vermutlich schon letzte Chance nutzen, zumindest mit dem Konkurrenten gleichzuziehen, aber für Spieler sind diese wirtschaftlichen Machtspielchen der Unternehmen reichlich uninteressant oder sollten es zumindest sein, solange es sie – wie im Falle von Tomb Raider – nicht unmittelbar betrifft.

Ich jedenfalls bin die effekthascherische Marktschreierei der E3 leid, habe Nintendos ruhigeren, mehr um’s tatsächliche Präsentieren von Spielen bemühten Ansatz der letzten ein, zwei Jahre dort begrüßt, und bin vor allem froh, dass es zumindest vorübergehend mit der gamescom eine wirkliche Alternative gibt, die sich zwischen den Extremen von E3 und Events wie PAX ansiedelt.

Eine Alternative, die hoffentlich auch genau das bleibt.

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Freier Journalist. Autor. Spielefan.

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