Sierra: Activisions überfälliges Indie-Label

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Ausnahmsweise muss ich mich mal selbst loben: Ich behaupte schon seit etlichen Jahren, dass den wenigen verbliebenen großen Spiele-Publishern ein Indie-Label nicht nur gut zu Gesicht stehen würde, sondern dass es für ihr weiteres Bestehen sogar notwendig ist. Jedes große Filmstudio in Hollywood verfügt über eine eigene Indie-Schiene, um Talente zu fördern, Preise einzuheimsen und Filme abseits des Mainstreams zu produzieren, doch während die Spielebranche Hollywood sonst so gerne kopiert, ließ man sich in diesem Punkt lange bitten.

Ausgerechnet Activision, ein Publisher der in den letzten Jahren mit Call of Duty das „AAA Gaming“ so verkörpert hat wie kein anderes Unternehmen, macht jetzt den Anfang: Unter dem alten, klangvollen und positive Assoziationen weckenden Namen „Sierra“ will Activision in Zukunft mit Indie-Entwicklern zusammenarbeiten und ihnen Unterstützung anbieten, die von reiner PR bis hin zur Entwicklung reichen kann. Insbesondere Ersteres würde vielen Indies zweifellos helfen.

Den Anfang im Sierra-Label machen ein neues King’s Quest von The Odd Gentleman sowie Geometry Wars 3 von einem neuen Team – zwei altbekannte Marken also, aber auch gänzlich neue Spiele sollen auf diesem Wege erscheinen.

Natürlich verfolgt Activision damit eine Strategie und gleich mehrere Ziele: Das eigene Image aufzupolieren, gehört zweifellos dazu, potentiell kreative Entwickler für sich zu gewinnen, sie unter Umständen an sich zu binden und recht preisgünstig neue, im besten Fall erfolgreiche Marken zu erschaffen, ebenso. Oder eben alte Marken ohne ein großes finanzielles Risiko neu zu beleben.

Aber es ist der richtige und längst überfällige Weg für die großen Spiele-Publisher, um frische Ideen und Talente in ihr Umfeld zu holen, nicht länger zuzuschauen, wie Indies mal mehr, mal weniger erfolgreich ihr eigenes Ding drehen. Und wenn das ein oder andere Indie-Studio von der Unterstützung profitiert, wird sich das auch in (noch) besseren Spielen widerspiegeln.

Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis Electronic Arts, Ubisoft, 2K Games und andere Unternehmen nachziehen.

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Freier Journalist. Autor. Spielefan.

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