Wie gut ist… Masters of Sex: Season 2?

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Es gibt Serien, von denen wünschte ich mir, sie würden nur zwei oder drei Staffeln andauern, so gut sie auch sein mögen. Masters of Sex ist so eine Serie.

Die ersten zwölf Folgen erzählten die Anfänge von Dr. William Masters und seiner Partnerin Virginia Johnson im Jahre 1957, den Beginn ihrer Beziehung sowie ihre ersten Schritte in der Erforschung der menschlichen Sexualität im Rahmen einer umstrittenen und, nun, praxisnahen Studie.

Anders als der Titel vermuten lässt, war es aber vor allem Virginias Geschichte, die sich als starke Protagonistin von der Nachtclub-Sängerin über die Sekretärin und Assistentin ohne entsprechende Ausbildung und gegen alle Widerstände von Establishment und Ära zur nahezu gleichwertigen Partnerin von Masters hocharbeitete.

Drumherum lief recht viel Soap ab, Masters of Sex ist selbst was die gesellschaftlichen Normen der damaligen Zeit angeht nur bedingt um Authentizität bemüht, mitunter erstaunlich konfliktscheu und wirkt stellenweise einen Tick verklemmter, als es angesichts der Thematik notwendig wäre – aber die glaubwürdigen, vielschichtigen Hauptfiguren, großartig dargestellt von Martin Sheen und Lizzy Caplan, in Verbindung mit den ansprechenden Schauwerten sorgten dafür, dass Masters of Sex zu den besten neuen Serien des letzten Jahres zählte.

Nur: Am Ende der ersten Staffel hatten die beiden Hauptfiguren bereits verdammt viel erreicht. Sie befanden sich mal mehr, mal weniger in einer Beziehung, Masters hatte sein großes, persönliches Problem überwunden – auch wenn es im Konflikt zu eben jener Beziehung stand -, und die Studie hatte allerlei Erkenntnisse hervorgebracht, auch wenn diese vorerst auf Ablehnung stießen.

Der Weg sowohl von Virginia als auch Masters selbst erschien jedoch weitgehend auserzählt und so stellte sich die Frage, womit die Serie die nächsten für US-Sender Showtime üblichen vier bis sechs Staffeln füllen wollen würde – und nach den ersten beiden Folgen von Season 2 hat sie darauf noch keine klare Antwort gefunden, im Gegenteil: Der Auftakt der neuen Staffel dreht die Zeit für Studie und Beziehung gleichermaßen im Grunde um eine Staffel zurück.

Masters bekommt in einem anderen Krankenhaus eine zweite Chance, seine Studie ein weiteres Mal aufzunehmen, während Virginia zunächst wieder von außen zuschauen muss und hauptsächlich als Masters Geliebte fungiert.

Das mag zu einem gewissen Grade der tatsächlichen Geschichte geschuldet sein – in Wirklichkeit heirateten sie erst im Jahre 1971, also dreizehn Jahre nach Season 2, und ihre gemeinsame Arbeit erstreckte sich sogar bis ins Jahr 1992 -, aber die Realität gibt selten eine Dramaturgie und eine Tempo her, das einer modernen TV-Serie gerecht würde.

Hinzu kommt, dass Masters of Sex sich zwar regelmäßig Mühe gibt, die gesellschaftlichen Zwänge der damaligen Zeit an einzelnen Fällen konkret zu zeigen, in der Gesamtheit jedoch ein bisschen zu inkonsequent wirkt. Wenn sich etwa die gut situierten Damen bei Kaffee und Kuchen offen über ihre sexuellen Abenteuer austauschen und dabei mitunter eine solch moderne Sprache gewählt wird, dass sie mehr an heutige College-Studenten denn an die verklemmte Gesellschaft der 50er-Jahre erinnert. Oder wenn Masters zu Beginn der ersten Staffel auf erstaunlich wenig Widerstände stößt, als er nach ersten Versuchskaninchen für seine Experimente sucht.

Diese kleinen, aber doch mitunter recht auffälligen Ungereimtheiten sind es, welche die Bedeutung der Studie als Quasi-MacGuffin der Serie ein klein wenig herabmindern, zumal Masters of Sex sich auch damit schwertut, so etwas wie einen Antagonisten zu etablieren.

Ist es die Gesellschaft, die Masters als Feind gegenüber steht, die Angst vor Veränderungen hat und deshalb seine Erkenntnisse unterdrücken will? Das könnte man anfangs annehmen, aber über weitere Strecken wird „die Gesellschaft“ so dargestellt, dass sie es zwar eigentlich gut meint, nur eben nicht besser weiß oder anders kann, zumal sie ohne Personifizierung ein sehr abstrakter Antagonist ist.

Einen greifbaren Gegner gab es für Masters mit seinem Kollegen Dr. Ethan Haas in Staffel eins zumindest in Hinblick auf seine Beziehung zu Virginia, doch ausgerechnet der taucht in der zweiten Staffel vorerst nicht mehr auf. Das wiederum ist nicht der Realität geschuldet, da Haas keiner realen Person nachempfunden war, und deshalb umso irritierender.

Meine irrelevante Wertung

60%
60%
Ganz gut

Trotz dieser Kritik: Masters of Sex macht auch in Season 2 durchaus Spaß, denn Cast, Kulisse, Setting, Thema und Schauwerte stimmen weiterhin. Aber die Serie sollte in nicht allzu großer Ferne herausfinden, wo genau sie mit ihrer Geschichte hin möchte: Ein ewiges Auf und Ab in Studie und Beziehung über sechs, sieben Staffeln hinweg zu erzählen, wird nicht funktionieren.

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Freier Journalist. Autor. Spielefan.

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