The Bureau: XCOM Declassified – Review

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„Es ist schade wie leichtfertig The Bureau: XCOM Declassified sein Potential verschenkt: Das Spiel hätte ein großartiger Ego-Shooter sein können, eine spannende Modernisierung des alternden Franchises, den Kampf gegen die Aliens um eine neue Dimension bereichern sollen. Doch nach den Protesten der Spieler und mehreren internen Umstrukturierungen hat es wohl einfach nicht sein sollen.“

So könnte ich mein Review beginnen – wenn ich ein besserer Mensch wäre. Weil ich das leider nicht bin, beginne ich meine Review mit einem freundlichen:

HAHAHA!

Denn in den ersten zwei Stunden mit The Bureau: XCOM Declassified fiel es mir wirklich schwer, meine Schadenfreude zu unterdrücken, zu gut hatte ich noch die Ankündigung des einst als Ego-Shooter geplanten XCOM in Erinnerung – als von einem Strategiespiel noch nicht die Rede war und Christoph Hartmann, Präsident von 2K Games, das Genre gar als nicht mehr zeitgemäß bezeichnete.

Gut anderthalb Jahre später erschien mit XCOM: Enemy Unknown eben jenes, nicht mehr zeitgemäßes Strategiespiel und durfte sich zu den besten Spielen des letzten Jahres zählen, während das ursprünglich geplante XCOM in Development Hell abtauchte, nur um dann als Third-Person-Shooter mit Taktik-Elementen im Stile von Mass Effect wieder aufzuerstehen. Anders als Ubisoft, dessen I Am Alive eine ähnlich problematische Entwicklung hinter sich hatte, verkauft 2K Games The Bureau, wie es nun heißt, jedoch weiterhin zum Vollpreis, auch wenn ich nur bedingt das Gefühl hatte, es mit einem wirklich vollständigen Spiel zu tun haben.

The Bureau XCOM Declassified Screenshot

Denn man merkt The Bureau an, dass hier mehrere Ideen und vermutlich bereits fertig gestellte Assets unter einen Hut gebracht werden mussten und nichts davon so richtig zu Ende gedacht ist. Da sind zum Beispiel die Agenten, von denen mich jeweils zwei in einen Einsatz begleiten und die ich wie im „echten“ XCOM entwickeln und aufleveln darf, womit ich mich zu einem gewissen Grade um sie sorge.

Doch ausgerechnet sie treffe ich in meiner Heimatbasis zwischen den Missionen nie an. Stattdessen führe ich langatmige, belanglose Gespräche mit verschiedenen Nebenfiguren, nicht aber mit den Begleitern, mit denen ich in die Schlacht ziehe. Wäre es aufwendig gewesen, potentiell zwei Dutzend Agenten eine eigene Stimme und einen eigenen Charakter zu geben? Sicher. Aber es hätte geholfen, ein echtes Teamgefühl zu entwickeln und nicht nur um sie zu fürchten, weil sie bereits gute Stats haben. Die Nähe zu den Soldaten, die ich sonst nur von oben herab kommandiere, wäre eine der größten Chancen des Shooters gewesen, doch sie verstreicht ungenutzt.

Auch die taktischen Kämpfe haben ihre Stärken und Schwächen: Die KI agiert durchaus geschickt, wird letzten Endes aber nur dazu eingesetzt, mir Gegnerwelle um Gegnerwelle entgegen zu werfen. Mir stehen mehr Anweisungen für mein Squad zur Verfügung als etwa in einem Rainbow Six, doch die Schlachtfelder sind oft zu eng, um sie wirklich einsetzen zu können – zumal meine Kollegen nicht immer machen, was sie sollen. Und die durchaus schönen Kulissen telegraphieren mit ihrer praktisch platzierten Deckung jederzeit, wann und wo ich den nächsten Kampf zu erwarten habe.

Und dann ist da noch die Story. XCOM meets Akte X meets Mad Men, so schien es ursprünglich mal, doch davon ist ähnlich wenig übrig geblieben wie vom Rest der ursprünglichen Prämisse; das 60er-Jahre-Setting wird kaum ausgenutzt und ausgerechnet in den ersten beiden Stunden verärgert das Spiel geradezu mit einer elendig langen Tutorial-Mission zur Einführung, in der die taktischen Elemente anfangs ignoriert werden und wobei die fast schon trotzig sperrige Steuerung irritiert.

The Bureau XCOM Review Screenshot

Wie im Strategiespiel darf ich später zwischen verschiedenen Missionen wählen, Entscheidungen treffen, doch echten Einfluss auf die Kampagne hat das nicht. Wie im Strategiespiel darf ich Alien- oder irdische Waffen wählen, aber wirklich vergleichen kann ich ihre Stärke nicht, vermutlich weil so etwas in einem Ego-Shooter nicht vorgesehen war. Ich könnte noch eine Weile weitermachen.

Mit all diesen halbgaren Spielelementen fühlt sich The Bureau: XCOM Declassified ein bisschen wie Fan Fiction an, mit seiner über Bord geworfenen Prämisse vielleicht gut gemeint, aber nicht gekonnt. Ein Spiel in einer Welt, die für diese Art Spiel eigentlich nicht geschaffen war. Es ist nicht so, dass die Marke darunter leiden würde, schließlich hat XCOM schon so einige unsinnige Titel hervorgebracht, aber es ist ein Spiel, das ich nicht brauche – und, ja, es ist schade, wie es sein Potential verschenkt.

Ich weiß nicht, ob es das Feedback der Community war, das 2K Games zum Umdenken gebracht hat, oder – wie Polygon schreibt – allein Entwicklungsprobleme dafür verantwortlich waren, doch wenn man sich heute den Trailer von der E3 2010 oder die 20-minütige, bereits leicht überarbeitete Gameplay-Demo von der E3 2011 anguckt, fällt es schwer nicht zu glauben, das bessere Spiel verpasst zu haben: eine offenbar komplexere Kampagne, stimmig designte Levels, spannendere Gegner, eine mehr an TF2-erinnernde Farbpalette und, und, und.

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Freier Journalist. Autor. Spielefan.

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