DuckTales: Remastered – Review

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Es ist schwierig, sich bei der Erinnerung an alte Spiele gänzlich von der Nostalgie zu befreien – aber es ist noch schwieriger, das Remake eines alten Spiels einzuschätzen, zu viele Faktoren fließen bei einem Titel wie DuckTales: Remastered mit ein: Am Sonntagmorgen eine neue Folge von DuckTales im Disney Club in der ARD gucken zu dürfen, war für mich als Kind ein Höhepunkt der Woche und meine Begeisterung steigerte sich noch, als ich DuckTales für den GameBoy entdeckte. Neben Mario und Giana Sisters war es eines meiner ersten Jump’n’Runs, noch dazu mit den aus dem Fernsehen vertrauten Figuren, wie hätte ich das Spiel als Kind nicht lieben können?

DuckTales: Remastered ist nun zwar kein Remake des GameBoy- sondern des NES-Spiels, dessen Spielmechanik, Gegner und Levels jedoch sehr ähnlich sind: Ich laufe und springe als Onkel Dagobert unter anderem durch Minen, den Dschungel und sogar über den Mond, suche Schätze, weiche Fallen aus und räume meine Widersacher, wie die Panzerknacker, aus dem Weg.

Der Levelaufbau mag mit dem NES dabei weitgehend identisch sein, das Spiel an sich ist aber beim besten Willen nicht wiederzuerkennen: Die 2D-Figuren sind großartig animiert als wären sie der Fernsehserie direkt entsprungen, die 3D-Hintergründe können nicht ganz das hohe Niveau halten, erfüllen aber ihren Zweck, ohne besonders hervorzustechen.

DuckTales Review Screenshot

Der moderne Look kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass DuckTales: Remastered ein sehr, sehr klassisches Jump’n’Run ist: Während ich bei Nintendos New Super Mario Bros. im Grunde jedes Level auf Anhieb bewältigen kann ohne auch nur Gefahr zu laufen, ein Leben zu verlieren, sind hier noch extrem präzise Sprünge gefragt – und die Gegner tun mir nicht den Gefallen, mir aus dem Weg zu gehen, sondern platzieren sich häufig so, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten und respawnen sogar nach ihrem Tod.

Unfair? Nein. Altmodisch? Zweifellos, genauso wie die versteckten Passagen außerhalb des Bildschirms oder der Verzicht auf Power-Ups, Doppelsprünge und anderen Schnickschnack, doch dieser Purismus tut DuckTales: Remastered durchaus gut, ist er in der heutigen Jump’n’Run-Welt fast ein Alleinstellungsmerkmal. Und mit dem Pogo-Stick wie auf einem Trampolin durch die Levels zu hüpfen, empfinde ich auf eine seltsame Art und Weise sehr erfüllend, wobei die besagte Nostalgie miteinfließen mag.

Gleichzeitig verfügt das Spiel über einige irritierend modern wirkende Elemente, allen voran die unzähligen Cutscenes, die vor aber auch während der Levels den Spielfluss doch gehörig unterbrechen, selbst wenn ich sie überspringe. Eine Geschichte mag bei DuckTales dazu gehören, in einem schnellen Jump’n’Run, in dem ein flüssiger Spielablauf, ein Rhythmus, ein Groove, elementar ist, wirkt sie in den Levels deplatziert.

DuckTales Remastered Screenshot

Und dieser Kontrast zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Erinnerung und Realität, zwischen Purismus und Moderne ist es auch, der mir mit DuckTales: Remastered Probleme bereitet. Ihr Versprechen, dem NES-Klassiker einen zeitgemäßen Look zu verleihen, haben die Entwickler gehalten, aber sie gehen nie darüber hinaus, versuchen nicht, das Spiel besser zu machen.

Was bleibt, ist ein gutes Jump’n’Run, das sich ein bisschen zu sehr darauf verlässt, auch in einer Zeit, in der DuckTales nur noch in der Erinnerung vieler existiert, geliebt zu werden, sich jedoch kaum Mühe gibt, die Spieler abseits der Nostalgie anzusprechen.

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Freier Journalist. Autor. Spielefan.

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